Ganztagesangebote an der Grundschule – einiges bleibt im neuen Gesetz unklar

Im Juli 2014 hat der Landtag in Baden-Württemberg mit grün-roter Mehrheit die Ganztagesangebote an Grundschulen im Schulgesetz neu geregelt.

Um zu diskutieren, welche Auswirkungen diese Gesetzesänderung im Einzelnen hat und was das für Bammental bedeuten kann, hatte die CDU Bammental zu einer Veranstaltung mit der Landtagsabgeordneten des Wahlkreises, Elke Brunnemer, eingeladen.  Frau Brunnemer ging auf die Optionen zur Ganztagesbetreuung  an der Grundschule ein, wie sie nun gesetzlich festgeschrieben sind. Zum einen gibt es die verbindliche (d.h. verpflichtende) Ganztagesschule. An 3 oder 4 Tagen in der Woche wird für 7 oder 8 Stunden unterrichtet.  Dabei wird der Unterricht „rhythmisiert“, d.h. Phasen der Anstrengung wechseln mit Phasen der Entspannung ab. An dieser verbindlichen Form müssen alle Schüler einer Schule teilnehmen. Ein Aufwachsen beginnend mit Klasse 1 oder die sofortige komplette Umstellung sind möglich.

Neben der gebundenen Ganztagesschule gibt es die „Wahlform“. Diese Form gilt für eine gesamte Klasse, die Eltern müssen ihre Kinder verpflichtend für das gesamte Jahr anmelden. Eine Ganztagesklasse kann ab 25 Schülerinnen/Schüler eingerichtet werden. Jahrgangsübergreifende Gruppen (z.B. 1. und 2. Klasse) sind möglich. Zeitfenster sind wiederum 7 oder 8 Stunden an 3 bzw. 4 Tagen in der Woche. Sowohl für die verbindliche als auch für die „Wahlform“ ist eine Zusammenarbeit mit außerschulischen Partnern erwünscht. Dazu kann die Schule bis zur Hälfte der Lehrerstunden für die Ganztagesschule in finanzielle Mittel umwandeln, um damit z.B. Übungsleiter von Vereinen zu bezahlen.

Die aktuell geleistete finanzielle Unterstützung des Landes für die bereits eingerichtete Kernzeitbetreuung bzw. die Nachmittagsbetreuung/Hort an der Grundschule wird weiter geleistet, bis eine Ganztagesgrundschule (verbindlichen oder als Wahlform) eingerichtet wird. Somit kann die Gemeinde Bammental ihre aktuelle (freiwillige) Nachmittagsbetreuung beibehalten, aber nicht mehr ausbauen.

Bürgermeister Holger Karl wies daraufhin, dass genau die aktuelle Flexibilität bei der Nachmittagsbetreuung von den Eltern sehr geschätzt wird. So kann frei gewählt werden, an welchen Nachmittagen in der Woche und bis wie viel Uhr die Kinder betreut werden. Hier zeige sich, so das Ortsoberhaupt, dass die Kommunen am nächsten bei den Bürgerinnen und Bürger seien und so am besten auf die tatsächlichen Bedürfnisse vor Ort reagieren können. Dies sieht man auch an den Betreuungsangeboten in den Kindertageseinrichtungen und für die U3-Betreuung. Nach dieser Gesetzesänderung sind Erweiterungen des flexiblen Angebotes an der Grundschule zu 100% von Eltern bzw. Gemeinde zu finanzieren.

In der Diskussion sprachen sich zahlreiche Eltern gegen eine verpflichtende Ganztagesschule in Bammental aus. Sie machten klar, dass sie selber entscheiden möchten, wie lange ihr Kind nachmittags in die Schule geht.

Kritisch äußerten sich auch die Trainer und Ausbilder von einigen Vereinen. Es sei für Trainer und Übungsleiter kaum möglich vor 16 Uhr Trainingseinheiten anzubieten. Zudem seien die Übungsgruppen und Mannschaften vieler Vereine schul- und gemeinde- übergreifend angelegt. Training in der Schule und nachmittags für die Mannschaft im Sportverein allerdings ist nicht zumutbar.  Unklar bleibt im Gesetz, was passiert, wenn sich nicht genügend Anmeldungen für ein Ganztagesangebot (in der Wahlform) finden. Ebenso ist die Frage offen, was passiert, falls es in Bammental bei ca. 50 Schülern im Jahrgang 30 Anmeldungen für ein Ganztagesangebot gibt. Das hätte dann nämlich plötzlich 3 statt 2 Klassen zur Folge.

Nach der Gesetzesänderung hat Bammental Zeit zu eruieren, was die Eltern wollen. Bürgermeister Karl wies darauf hin, dass für das Schuljahr 2015/16 kein Antrag seitens der Gemeinde für eine Ganztagesschule geplant sei.  Er halte es für sinnvoll vor einer Entscheidung die nächste Landtagswahl abzuwarten. Für die Einführung in die Thematik Ganztagesschule an der Grundschule überreichte der Vorsitzende der örtlichen CDU Dr. Albrecht Schütte der Landtagsabgeordneten Elke Brunnemer ein Präsent.

ASc